Straße / Road 2

Wohin der Weg?
Karl Ernst Knodt

Du fragst: Wohin der Weg?
... Das kann ich dir nicht nennen.
Denn Weg und Ziel muss doch
Ein jeder für sich kennen!

Nie liegt der Weg frei da:
Ein jeder muss ihn schaffen!
Der breite Weg, so nah,
Er ist doch nur für Laffen.

Du musst dir deinen Pfad
Durch wildes Dickicht hauen
Und ohne Hilf' und Gnad' 
Ganz deiner Kraft vertrauen.

Denn unbetretnes Land,
Das wollen wir erkämpfen,
Und drum des Geistes Brand
Durch nichts uns lassen dämpfen.

Und willst du selbst mir nach,
So musst du dich bereiten
Auf Schmerzen und auf Schmach,
Auf Öd' und Einsamkeiten.
Whereto the path?


You ask: whereto the path?
... I cannot tell your heart.
Cause path and goal must 
Each one know apart!

No time the path lies freely:
Each one has to develop!
The wide path, so close really,
Its just there for simple fop.

Your path you have to strike
Through wildest thicket course
No help or mercy like
All trusting your force.

Cause untrodden land,
That's what we eke out for,
Therefore spirits fire grand
By nothing damped nor.

If chasing after me,
So you have to prepare
For pain and humilation be,
For waste and solitude bare.

Akzeptanz / Acceptance

Im warmen Frühling
Eduard von Bauernfeld

Ich fühle mich so wohl
Trotz allen meinen Sünden
Und denke mit dem Himmel
Mich gütlich abzufinden.

Ich hab' nicht eben schlecht,
Nur manchmal dumm gehandelt;
Heut ist mir alles recht,
Ich bin wie umgewandelt!



In warm spring


I feel so well
Despite my sins
Intend with all
To just accept.

I did not act this bad,
Just sometimes stupid spawned;
Today everything fits that,
I'm like transformed !

Zeit / Time 4

Betrachtung der Zeit
Andreas Gryphius

Mein sind die Jahre nicht, die mir die Zeit genommen,
Mein sind die Jahre nicht, die etwa möchten kommen.
Der Augenblick ist mein, und nehm ich den in acht,
So ist der mein, der Jahr und Ewigkeit gemacht.
Contemplation of time


Mine are not the years, that time took away,
Mine are not the years, that might come to stay.
This moment is mine, and do I mind,
So this is mine, that year and aeons signed.

Frühlingsankunft / Spring Arrival

Will dir den Frühling zeigen ...
Rainer Maria Rilke

Will dir den Frühling zeigen,
der hundert Wunder hat.
Der Frühling ist waldeigen
und kommt nicht in die Stadt.

Nur die weit aus den kalten
Gassen zu zweien gehn
und sich bei den Händen halten - 
dürfen ihn einmal sehn.
Want to show you spring ...


I want to show you spring,
with hundred wonders grown.
Spring in woods inhering
it does not come into town.

Only who comes far from cold
alleys walking pair
each others hand hold - 
may see it with flair.